Sächsisches Wort des Jahres 2018

»Sächsisches Wort des Jahres 2018«

Beliebtestes Wort

friemeln

knifflige Zusammenhänge verknüpfen


Schönstes Wort

Beschmuh

Schummelei, Schwindelei


Bedrohtes Wort

dorwiern

quengeln, nerven


Schimpfwort

Diggnischl

Mann, der unbedingt seine Meinung durchsetzen will


Bei der Sachsenwort-Matinee am 3. Oktober 2018 im Dresdner Schauspielhaus mit dabei: Tom Pauls, Birgit Schaller, Andreas Berger, Gunter Böhnke und Peter Ufer

Ein Diggnischl macht Beschmuh

Über 3 000 Wörter standen zur Auswahl für das Sächsische Wort des Jahres 2018. Gewählt wurde diesmal auch ein Schimpfwort.

Immer mehr sächsische Vokabeln würden im Dschungel des neudeutschen und des denglischen Wortgutes verschwinden. Das sagte gestern Kabarettist Gunter Böhnke während der Matinee zur Wahl des sächsischen Wortes des Jahres im ausverkauften Dresdner Schauspielhaus. Und er ergänzte: »Wobei man eigentlich von ›Wortgut‹ gar nicht sprechen kann. Es handelt sich dabei um das ›Wortschlecht‹.«

Gegen das stillschweigende Verschwinden der Heimatvokabeln richtet sich seit 2008 die Aktion »Sächsisches Wort des Jahres«, organisiert von der Ilse-Bähnert-Stiftung, gemeinsam mit der Sächsischen Zeitung und MDR Sachsen. Über 3.000 sächsische Wörter erreichten in diesem Jahr die Jury, in der neben Schauspieler Tom Pauls und dem Chef der Leipziger Lachmesse Frank Berger auch MDR-Moderator Andreas Berger mit arbeitet. Als bedrohtes sächsisches Wort wählten sie »dorwiern« aus. Gunter Böhnke erklärte in seiner Laudatio, dass es sich dabei um »unablässiges bitten und betteln« handelt, ein Wort, das etymologisch zu lateinisch »turbare« gehört und eigentlich »in Unordnung« bringen bedeutet.

Die drei Dialektiker Tom Pauls, Gunter Böhnke und Peter Ufer

Als schönstes Wort wählte die Jury »Beschmuh«, was ein Vertrauensbruch ist, weil da einer schwindelt, sich unlauter einen Vorteil verschafft, weil er hinterhältig seine Interessen durchsetzt und andere mit freundlichem Blick getäuscht hat. Das beliebteste Wort wählten die Sachsen bei einer Online-Abstimmung selbst. Über 5.000 Sachsen nahmen an der Wahl teil, das Lieblingswort heißt: »Friemln«, etwas mühsam mit der Hand zusammen- oder zurecht arbeiten. Und diesmal wurde auch das sächsische Schimpfwort gewählt. Es heißt »Diggnischl«.

Text: Peter Ufer


Bericht und Video beim MDR Sachsenspiegel